Chinesische Universitätspatente: Qualität und Quantität im Zeitverlauf

Christian Fisch und Jörn Block
Professur für Unternehmensführung, Universität Trier

Rasanter Anstieg der Anmeldungen von chinesischen Universitätspatenten

Im Jahr 2011 gehörten nach Angaben des chinesischen Patentamtes (SIPO) fünf Universitäten zu den zehn größten Patentanmeldern Chinas (SIPO, 2011). Das Wachstum der Patentanmeldungen von chinesischen Universitäten übersteigt dabei noch die insgesamt erzielten und bemerkenswerten Wachstumsraten von chinesischen Patenten. Wie die Studie „Benchmarking China and Germany: An Analysis of Patent Portfolios of Universities and Research Organizations” zeigt, übersteigen die Patentanmeldungen von chinesischen Universitäten auch die Anmeldungen von deutschen Universitäten zum Teil deutlich. Mitverantwortlich für den rasanten Anstieg an Universitätspatenten in China sind dabei verschiedene Faktoren: Beispielsweise existieren staatliche Förderprogramme, die die Kosten einer Patentanmeldung deutlich reduzieren (Li, 2012).

Gleichzeitig strebt der chinesische Staat vermehrt danach, weltweit führende Forschungsuniversitäten zu etablieren. Solche Universitäten zeichnen sich zunehmend auch durch einen hohen technologischen Output in Form von Patenten aus, weswegen mehrere Programme zur Förderung ausgewählter Universitäten initiiert wurden, etwa die Projekte ‚211‘ und ‚985’. Das 39 Universitäten umfassende ‚Projekt 985’ wird beispielsweise von Zhang et al. (2012) als wichtiger Bestandteil eines der größten Investitionsprogramme der Menschheitsgeschichte zur Förderung universitärer Forschung beschrieben. Auch im Rahmen der „National Patent Development Strategy” (SIPO, 2011), die bis 2020 eine Vervierfachung der Patentanmeldungen Chinas als staatliches Ziel formalisiert, werden akademische Einrichtungen als zentral für die Entwicklung des Patentierungsverhaltens in China hervorgehoben.

Anstieg insbesondere quantitativer Natur

Während die Quantität chinesischer Universitätspatente zweifelslos angestiegen ist, lassen sich daraus keine eindeutigen Schlüsse bezüglich der Innovationskraft chinesischer Universitäten ziehen. Von Bedeutung ist neben der Betrachtung der Patentquantität ebenso eine Analyse der Patentqualität. Patentquantität und -qualität sind dabei eng miteinander verbunden, da beispielsweise eine höhere Quantität (stark steigende Patentanmeldungen) dazu führen kann, dass die Qualität der Patente sinkt und umgekehrt, also ein Trade-off zwischen Quantität und Qualität der Patente besteht. (Henderson et al., 1998; Li, 2012). Auffallend ist, dass die vom chinesischen Staat durchgeführten Initiativen tendenziell darauf abzielen, die Anzahl der Patentanmeldungen zu erhöhen. Beispielsweise werden die Kosten unabhängig davon reduziert, ob Patente von hoher oder niedriger Qualität sind. Die chinesische Patentstrategie ist eher quantitativ getrieben. Die Förderprogramme formulieren die Steigerung der Anzahl der Patentanmeldungen als zentrales Ziel.

Qualität der chinesischen Universitätspatente im Zeitverlauf unklar

Die Indikatoren der Qualität von Patenten zeichnen ein vielfältiges Bild. Beispielsweise melden deutsche Universitäten im Vergleich zu chinesischen Universitäten mehr internationale Patente an (WIPO und EPO). Die meisten chinesischen Universitätspatente werden nur in China angemeldet. Bei der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Patentanmeldungen und gewährten Patenten zeigt sich, dass dieses Verhältnis mit der Zeit zu steigen scheint. Dies legt nahe, dass die Patentqualität gestiegen ist, da Patente nur dann gewährt werden, wenn sie eine Qualitätskontrolle beim Patentamt durchlaufen haben. Der zur Beurteilung der Patentqualität am häufigsten eingesetzte Indikator sind Vorwärtszitationen (z. B. Henderson et al., 1998, Sandner und Block, 2011). Ähnlich wie Zitationen in der wissenschaftlichen Literatur geben Vorwärtszitationen von Patenten an, wie oft ein Patent von nachfolgenden Patenten zitiert wird. Eine hohe Anzahl wird dabei als Indikator einer höheren Qualität gesehen. Unsere Analyse zeigt, dass die Anzahl der Vorwärtszitationen von chinesischen Universitätspatenten im Zeitverlauf nicht übermäßig ansteigt, was nicht auf einen Anstieg, aber auch nicht auf einen Abfall der Patentqualität hindeutet. Zusammenfassend ist die Qualität chinesischer Universitätspatente nicht in gleichem Maße angestiegen wie deren Quantität.

Problematische Anreizstruktur?

Chinesische Universitäten spielen eine zentrale und bedeutende Rolle für die Beurteilung der Innovationskapazität Chinas. Während die Patentanmeldungen chinesischer Universitäten rasant angestiegen sind, hat sich die Qualität der Patente nicht derart positiv fortentwickelt. Diese Entwicklung zeigt insbesondere die in China vorherrschende problematische Anreizstruktur zur Anmeldung von Patenten. Der Einreichung von Patentanmeldungen wird oft eine größere Bedeutung beigemessen, als der Entwicklung von qualitativ hochwertigen Patenten. Während China Patentanmeldungen aktiv fördert, scheint es keine Maßnahmen zu geben, die auch die Qualität der entwickelten Patente fördern. Dieses einseitige Vorgehen führt dazu, dass die Innovationskraft chinesischer Universitäten geringer einzuschätzen ist, als die reinen Patentanmeldungszahlen es vermuten lassen.

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