China auf dem Weg zum Innovationsstandort - Deutschland stark im internationalen Kontext

Folgende Tabellen stellen ein Ranking von 60 akademischen Einrichtungen dar, bestehend aus jeweils 30 deutschen und chinesischen Universitäten und Forschungsinstituten, die anhand von Patentanmeldungen innerhalb des Zeitraums von 1990 bis 2009 bewertet wurden.

Vorgehensweise der Studie und Methodik der Rankings

Die Daten zur Bewertung und Analyse der Patentanmeldungen wurden mithilfe der Patentdatenbank PATSTAT (EPO Worldwide Patent Statistical Database) erhoben und stammen aus dem Jahr 2012. Die Betrachtung bis 2009 begründet sich durch die durchschnittlich 18 Monate benötigte Zeit, bis eine Patentanmeldung publiziert wird. Die Ranglisten wurden nach quantitativen und geografischen Kriterien erstellt. Maßgeblich für die Platzierung einer Einrichtung innerhalb der verschieden Rankings ist die jeweilige Gesamtanzahl aller Patentanmeldungen innerhalb des genannten Zeitraums.

Platz 30 in China mit fünffach höheren Patentanmeldungen als Deutschland

Die jeweiligen Top 30 deutscher und chinesischer Universitäten und Forschungsinstituten basieren auf den absoluten Patentanmeldungen in allen geographischen Sektoren. Innerhalb der deutschen Rangliste rangieren insbesondere die Forschungsinstitute unter den ersten sechs Platzierungen. Die Fraunhofer-Gesellschaft belegt mit über 21.000 Patentanmeldungen eine Spitzenposition, gefolgt von der Max-Planck-Gesellschaft mit über 6.000 Patenten auf Rang zwei. Die innovativste deutsche Universität gemessen an der Gesamtanzahl der Patentanmeldungen wird durch das Karlsruher Institut für Technologie mit über 3.700 Anmeldungen repräsentiert. Die Technische Universität München liegt beispielsweise mit über 600 Patentanmeldungen auf Platz 15. Auf Platz 30 rangiert die Technische Universität Bergakademie Freiberg mit über 270 Patentanmeldungen. Innerhalb der chinesischen Rangliste liegt die Chinesische Akademie der Wissenschaften mit über 35.000 Patentanmeldungen an einer Spitzenplatzierung, gefolgt von der Tsinghua Universität mit über 11.000 Anmeldungen. Den letzten Platz belegt die Landwirtschaftliche Universität Chinas mit über 1.300 Patentanmeldungen. Dies ist dennoch im Ländervergleich mehr als das Fünffache der Technischen Universität Bergakademie Freiberg auf gleichen Rang.

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Deutschland schlägt China bei WIPO Anmeldungen

In der Rangliste bezüglich WIPO ist deutlich zu erkennen, dass die deutschen Einrichtungen bei den weltweiten Patentanmeldungen mehrheitlich im oberen Segment vertreten sind. Alle 30 deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen rangieren innerhalb der Top 40. Auf dem ersten Rang ist die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. mit über 3.200 Patentanmeldungen platziert, gefolgt von der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. mit weit über 990 Patentanmeldungen. Bereits an dritter Stelle liegt die Chinesische Akademie der Wissenschaften mit über 700 Patentanmeldungen. Die untere Hälfte der Top 60 ist von chinesischen Einrichtungen geprägt, mit der Donghua Universität auf dem letzten Platz. Neben der Chinesischen Akademie der Wissenschaften rangieren nur bekannte Universitäten wie die Tsinghua Universität (Rang 7) und die Fudan Universität (Rang 16) im oberen Drittel.

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Deutschland schlägt China auch bei EPO Anmeldungen

Die folgende Tabelle beschäftigt sich mit Patentanmeldungen beim europäischen Patentamt (EPO). Die 30 deutschen Einrichtungen liegen erneut unter den Top 40 und bilden eine starke Mehrheit in Bezug auf sämtliche Patentanmeldungen am EPO. Die ersten sechs Plätze gelten den deutschen Forschungsinstituten, angeführt von der Fraunhofer-Gesellschaft mit über 3.300 Anmeldungen und dicht gefolgt von der Max-Planck-Gesellschaft mit über 1.000 Patentanmeldungen. Im Vergleich dazu liegt die Chinesische Akademie der Wissenschaften als beste chinesische Einrichtung mit über 260 Patentanmeldungen auf Rang sieben und die Tsinghua Universität mit über 160 Anmeldungen auf Rang 12. Zweifellos spielt die geographische Nähe der deutschen Einrichtungen zu den europäischen Ländern für die Patentaktivität eine bedeutende Rolle, zumal Deutschland und Europa wirtschaftlich und kulturell stark vernetzt sind. Komplettes Ranking ansehen

China bei US Anmeldungen hinter Deutschland

Die Rangliste von Patentanmeldungen in den USA unterscheidet sich von der EPO und WIPO Rangliste nur geringfügig. Deutsche Einrichtungen trugen mehrheitlich zur gesamten Anzahl aller US-Patentanmeldungen bei, mit der Fraunhofer-Gesellschaft erneut auf dem ersten Platz, welche über 2.100 Patente in den USA angemeldet hat. Allerdings liegt die chinesische Tsinghua Universität mit über 1.100 Patenten auf dem zweiten Rang und auch die Chinesische Akademie der Wissenschaften rangiert mit über 400 Patenten unter den Top fünf. Es ist deutlich erkennbar, dass chinesische Universitäten und Institute ihre internationalen Patentanmeldungen gegenüber WIPO und EPO mit leichten Vorzügen in den USA realisieren lassen.

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Chinesische Akademien überragende Sieger bei Gesamtanzahl aller Patentanmeldungen

China hängt Deutschland bei Patenten ab
Manager Magazin Online
Sämtliche 30 chinesischen Einrichtungen haben in den 20 Jahren kumuliert über 116.000 Patente angemeldet, die deutschen Einrichtungen über 54.000 Patente. Dies ist mit mehr als die doppelte Anzahl an Schutzrechtanmeldungen und führt zu der Frage, ob China Deutschland in der Innovationskraft überholt hat. In einer genaueren Betrachtung der chinesischen Einrichtungen ist auffällig, dass die Mehrheit aller Patente in China selbst angemeldet wurde. Eine Prüfung dieser Patentanmeldungen im Ausland findet nicht statt und demzufolge ist eine Qualitätsbeurteilung der in China angemeldeten Patente kaum möglich. Ein Grund für die inflationäre Entwicklung der Patentaktivität liegt in der Politik der chinesischen Regierung, welche intensiv Innovationen fördert, indem sie die Gebühr für Patentanmeldungen übernehmen. Patente sind ein erheblicher Kostenfaktor für Universitäten und Forschungsinstitute und sollten im Normalfall erst nach grundlegender Prüfung des Vermarktungspotenzials erfolgen, zumal nur mit erteilten Patenten Umsatz generiert werden kann. Die staatlichen Patentsubventionen locken auch ausländische Firmen nach China, um vor Ort Forschungskooperationen mit Universitäten und Instituten einzugehen. Viele Unternehmen investieren zudem in eigene Forschungsinstitute, welche für den stetig wachsenden chinesischen Markt Erfindungen schützen lassen. Nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch ein staatlicher Druck auf die eigenen Einrichtungen und Angestellten bezüglich Fördergelder spielen im explosionsartigen Anstieg der akademischen Patente eine substanzielle Rolle. Professoren erhalten für überdurchschnittliche Patentannmeldungen eine Festanstellung, Studenten sowie angestellte Wissenschaftler Wohnbewilligungen und Steuernachlässe. Das Ziel der chinesischen Regierung, China zu einem führenden Forschungsstandort aufzubauen scheint jedenfalls im eigenen Land Realität zu werden, zumal auch die Anzahl wissenschaftlicher Fachartikel an chinesischen Universitäten rasant zunimmt.

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Deutsche Universitäten und Institute bei internationalen Patentanmeldungen weit vorne

Die meisten der chinesischen Patente gelten nur im Inland
Manager Magazin Online
In Bezug auf den internationalen Anteil aller Patentanmeldungen sind die Unterschiede im Ländervergleich auffällig. Beispielsweise beträgt der internationale Anteil der Chinesische Akademie der Wissenschaften nur nahezu 6%. Lediglich die Tsinghua Universität erreicht mit etwa 26% den Status einer internationalen chinesischen Universität. Im Vergleich dazu beläuft sich der Anteil der Ludwig-Maximilians Universität München (LMU) auf über 85%, welche damit gemessen an Patentanmeldungen als internationalste deutsche Einrichtung gilt. Auch andere deutsche Einrichtungen können Spitzenwerte aufweisen, darunter die Freie Universität Berlin und die Max-Planck-Gesellschaft mit über 80%. Im Durchschnitt liegen die deutschen Universitäten und Institute bezüglich internationaler Patentaktivität weit vor den chinesischen Einrichtungen. Demzufolge ist eine Beurteilung zur Innovationskraft und Internationalität einer akademischen Einrichtung insbesondere von den gewählten Kriterien abhängig. Allerdings lässt sich bei einigen chinesischen Einrichtungen ein deutlich positiver Trend zu internationalen Patentanmeldungen beobachten.

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China mit exponentiellem Anstieg – Deutschland mit leicht positivem Verlauf

In der folgenden Abbildung werden die Patentanmeldungen der Top 30 deutschen sowie chinesischen Universitäten und Forschungseinrichtungen pro Jahr kumuliert dargestellt. Somit kann ein direkter Vergleich zwischen beiden Ländern gezogen werden. In den Jahren zwischen 1990 und 2000 wurde im Vergleich zu China eine höhere Anzahl an Patentanmeldungen von den deutschen Einrichtungen registriert. Seit dem Jahr 1995 stiegen die Patentanmeldungen von China stetig an, während die Anmeldungen von Deutschland bereits ab dem Jahr 1993 kontinuierlich zunahmen. Nach der Jahrtausendwende zog China außerordentlich stark an und überholte Deutschland im Jahr 2002. Die chinesische Kurve gleicht einem exponentiellen Anstieg der Patentanmeldungen mit stark positiver Entwicklung, indes die deutschen Einrichtungen nur einen geringfügigen Anstieg bis zum Jahr 2006 verzeichnen konnten. In den Jahren 2007 bis 2009 waren die Patentanmeldungen aller Top 30 deutschen Einrichtungen sogar leicht rückläufig. Dennoch lagen die Patentanmeldungen der deutschen Universitäten und Forschungsinstitute seit 1990 im leicht positiven Trend.



Die Universitäten und Forschungseinrichtungen der Chinesen sind in den letzten Jahren weltweit konkurrenzfähig geworden
Wirtschaftswoche
Die chinesische Entwicklung bei den Patent-anmeldungen gibt Anlass zur Behauptung, dass China in Zukunft ein bedeutender Innova-tionsstandort sein wird. Quantitativ betrachtet hat China diese Bezeichnung bereits verdient, obwohl die inflationäre Zunahme der Patentanmeldungen noch keine Aussagen über die Qualität der angemeldeten Patente zulässt. Die deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen haben Potenzial, in diesen Wettbewerb der Innovationen ihren Vorsprung auf qualitativer Ebene auszubauen.

Quellen

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